Carnevalverein Grün-Weiß Bad Salzig e.V. 1959

Närrische Weltreise mit dem CV

Pünktlich um 19:33Uhr startete am Samstag mit 11 Paukenschlägen die vom CV Grün-Weiß Bad Salzig für diese Session sorgfältig geplante „Reise um die Welt“, und während der musikalischen Eröffnung durch den Fanfarenzug unter der Leitung von Stefan Bach füllte sich die Bühne mit Aktiven in den Vereinsfarben. Im Anschluss daran übergab der Vereinsvorsitzende Alfred Fuchs die Leitung an „Kapitän“ Albert Rätz, der daraufhin als Sitzungspräsident das voll besetzte Narrenschiff fünf Stunden lang souverän durch aller Herren Länder manövrierte. Diese Länder und ihre Sehenswürdigkeiten zeigte auch das eindrucksvoll gestaltete Bühnenbild in Form einer Weltkugel. Und nicht zuletzt sorgte auch die liebevoll gestaltete Tischdekoration aus alten Landkarten und Atlanten von Beginn an für eine dem diesjährigen Motto entsprechende Atmosphäre.

Das Bühnenprogramm an Board eröffnete nun in Person von Volker Kahl die Symbolfigur des Bad Salziger Karnevals - der Till. „Wo auf dieser Welt kann denn der CV im Moment noch mit Freude feiern?“ Vor dem Hintergrund dieser Frage zeigte er nicht nur gewohnt scharfzüngig Missstände sowohl in der Welt- als auch in der Europapolitik auf, sondern schilderte auch skurrile Fälle aus Politik und Verwaltung in Deutschland und hielt damit den deutschen Politikern gekonnt den Spiegel vor. Seine Schlussfolgerungen „Das Volk der Dichter und Denker braucht endlich wieder Wagenlenker, die das Volk auch wirklich verstehen“ oder „Es wird Zeit, dass wieder die Vernunft regiert“ erhielten so manches bejahende Nicken und bekräftigenden Applaus aus dem Publikum. Mit einigen ironischen Bemerkungen zur Bopparder Lokalpolitik und dem Versprechen, bis zum nächsten Jahr die Fortschritte bei der Sanierung des Salziger Börnchens genauestens zu beobachten, verabschiedete sich der Till von seinem Publikum - man darf gespannt sein, was er im nächsten Jahr zu berichten weiß.

Sowohl rote Luftballonherzen als auch die Herzen des Publikums flogen anschließend Stimmungssänger Roman Neyer zu. Mit Liedern wie „Mendocino“ oder „Ich war noch niemals in New York“ heizte er die Stimmung im Saal kräftig an, und spätestens bei seinem eigenen Hit „Heute Nacht vielleicht“ hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Seit Romans erstem Auftritt auf der CV-Bühne sind gerade einmal zwei Jahre vergangen und niemand hatte zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass sich für den jungen Sänger eine so schnelle und steile Solo-Karriere anbahnen würde - umso stolzer ist der Verein darauf, ein solches Talent unter seinen Aktiven zu haben.

Zu einem Grußwort erklärte sich spontan der im Publikum sitzende Monsignore Carl Ursprung bereit. Er hob in diesem die Gemeinsamkeiten zwischen der Fastnacht und der katholischen Kirche hervor, grüßte Sitzungspräsident, Elferrrat und natürlich Wolfgang Spitz als weltliches Oberhaupt der Gemeinde. Aufmunternde Worte fand der „Pastor der Herzen“ in diesem Jahr vor allem auch für die wenigen, dafür aber umso mehr seines Trostes bedürftigen Sozialdemokraten im Publikum und breitete den „Mantel der Barmherzigkeit des CV“ über ihnen aus. „Was lacht, was weint, der Narr vereint“ - dieses versöhnliche Motto stand am Ende eines Grußwortes, mit dem Carl Ursprung wieder einmal mit seinem besonderen Humor vollkommen ins Schwarze traf. Der Sitzungspräsident und ein begeistertes Publikum waren sich einig darüber, dass in dieser Art und Weise die alte Tradition des Grußwortes beim CV unbedingt wieder aufgenommen werden sollte.

Das Jugendballett nahm nun die Narren im Saal mit auf seine Reise ins „Abenteuerland“. Zu einem PUR-Medley präsentierten die zwölf Mädels ein grün-weißes Gardefeuerwerk und wurden vom Publikum nur mit einer Zugabe von der Bühne entlassen. Zuvor aber dankte Albert Rätz den Trainerinnen Vanessa Gold und Alena Schweikert, deren Laufbahn ebenfalls im Kinder- und Jugendballett begonnen hat, für die hervorragende Arbeit und den Elan, mit dem sie heute ihr Wissen und Können an den Nachwuchs weitergeben.

Auch das Glongert Sextett war „von Hamburg bis Hawaii“ gereist, hatte dabei aber „sicherheitshalber“ einige Stationen, wie die Türkei, Nordkorea und Russland ausgelassen und plädierte nun eindringlich für „Freiheit in der Welt“. Nach Beendigung ihrer Reise kamen die vier Globetrotter zu dem Schluss, dass es letztendlich doch in Bad Salzig am schönsten ist. So besangen sie das „grün-weiße Paradies zwischen Hunsrück und Taunus“ und das Publikum stimmte kräftig mit ein. Mit den „Grün-weißen Sternen“ verabschiedeten sich die Musiker vom Publikum und Sekretärin Conny Düppenbecker und ihre Freundin Catrin Kahl verwandelten die Bühne in das Büro des Ortsvorstehers Wolfgang Spitz. Während dieser aus unerklärlichen Gründen nicht aufzufinden war, räumten sie seinen Schreibtisch auf, entdeckten dabei schon seit langer Zeit vernachlässigte Post vom Bopparder Bürgermeister und tauschten während eines typischen „Kaffeekränzchens“ ihre Erfahrungen über Diäten, im Internet verschwindende Senioren und den neuerdings erschwerten Erhalt von gelben Säcken aus. Als sie Wolfgang Spitz am Ende doch munter im Publikum entdeckten, wurde der Grund seiner Abwesenheit klar: Er hatte sich um rote Säcke als Aufmunterung für gebeutelte SPD-Mitglieder gekümmert.

Rheinischen Karneval in Bestform präsentierte im Anschluss daran das Damenballett mit einem phantastischen Gardetanz. Mit ihren Trainerinnen Cynthia und Vanessa Kahl hatten auch die jungen Damen zu Kölschen Liedern einen temperamentvollen Tanz einstudiert, und nur mit der Aussicht auf einen weiteren Auftritt im zweiten Teil der Veranstaltung entließ ein begeistertes Publikum die Gruppe von der Bühne.

Diese verwandelte sich nun dank der umsichtigen Bühnenhelfer im Handumdrehen noch einmal in das Büro des Ortsvorstehers, der an einem Donnerstag um 17:45Uhr seinen wohlverdienten Feierabend herbeisehnt. Doch ausgerechnet jetzt klingeln die Telefone heiß: Auf einer Leitung verwickelt der Monsignore ihn in Plaudereien über Gott und die Welt, auf einer anderen wird er mit Pizza- und Salatbestellungen überhäuft, und dann ist da auch noch Dr. Walter Bersch, der sich am Fünf-Seen-Blick in einer absoluten Notlage befindet…

All das meistert der Ortsvorsteher natürlich souverän; als sich dann jedoch auch noch ein ominöser Amtsnachfolger in die Leitung drängt und selbstsicher verkündet „to make Salzig great again“, wird die Sache langsam brenzlig… Gott sei Dank erscheint in diesem Augenblick Walter Perll auf der Bühne und will Spitz von seiner Idee eines Weinfestes auf dem Salziger Nachbarplatz überzeugen. Da hat er leichtes Spiel angesichts der Suche nach populären Wahlkampfthemen, um den potentiellen Gegner auszuschalten…  Niclas Bach (Wolfgang Spitz) und Simon Banspach (Stimmen am Telefon und Walter Perll) fesselten mit diesem kreativen Vortrag das Publikum und lösten mit vielen überraschenden Wendungen immer wieder Gelächter und Begeisterung aus. Ein Bühnenvortrag der Extraklasse, der mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde und einen Höhepunkt des Sitzungsabends darstellte!

Nach ihrem Debüt im letzten Jahr präsentierten nun Antonia Stein und Fleming Melzer erneut einen Tanz auf der Bühne, der nicht nur mit Hebefiguren, sondern auch mit Lichteffekten gespickt war und das Publikum klatschend von den Plätzen riss. Dem jungen Tanzpaar gelang es auch in diesem Jahr auf überzeugende Weise, mit präzise aufeinander abgestimmten Bewegungen Spaß und Freude am gemeinsamen Tanz auf das Publikum im Saal zu übertragen. Sitzungspräsident Albert Rätz dankte auch Dominique Theby und Susanne Tripkovic, die das junge Tanzpaar für diese hervorragende Leistung trainiert haben, bevor sich Antonia und Fleming mit einer Zugabe verabschiedeten.

Als traditionell letzter Höhepunkt am Ende des ersten Programmteils entführte das Herrenballett die Narren im Saal nach Italien, genauer gesagt nach Venedig:

Auf dem Canale Grande findet ein Gondolieren-Wettstreit statt, der Siegerkranz gebührt selbstverständlich dem schnellsten und geschicktesten Gondoliere. Jedoch haben natürlich auch mafiöse Gestalten und Gauner ihre Hände im Spiel und versuchen, das Wettbewerbsergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Und als besonderer Anreiz winkt dem Sieger auch noch ein Rendezvous mit einer der wunderschönen Töchter der strengen Mama Leone. Kein Wunder also, dass ein spannender Wettstreit entsteht, bei dem letztendlich mit einer spektakulären Gemeinschaftsleistung und der Hilfestellung von Don Camillo dem „richtigen“ Gondoliere zum verdienten Sieg verholfen wird. Der Abend endet - wie sollte es anders sein - mit einem stimmungsvollen gemeinsamen Pizza-Essen aller Beteiligten. Nach dem Dank an alle „Italiener entließ Sitzungspräsident Albert Rätz die Saalgäste in zwei mal elf Minuten Pause.     

Danach begrüßte Florian Silbereisen sein Publikum zu einem „Karnevalsfest der Volksmusik“ mit den Blues Brothers. Er begrüßte zu dieser „Hitparade“ namhafte Stars aus verschiedenen Ländern: Die Wildecker Herzbuben brachten den Saal zum Schunkeln, die Flippers luden unter „die rote Sonne von Barbados“ ein, aus der Schweiz war Beatrice Egli angereist, Heino aus Bad Münstereifel, und natürlich gaben sich auch die Schlagergrößen Andreas Gabalier, Wolfgang Petry, Andrea Berg und Helene Fischer die Ehre. Als Höhepunkt des Festivals betrat Lokalmatador Roman N. die Showbühne und verzauberte die Damen im Publikum mit „Heute Nacht vielleicht“. Mit Schwung, Akrobatik und ganz viel Spaß waren alle Akteure zum Ende des Festivals auf der Bühne vereint und erhielten zusammen mit ihrem Trainerteam Carina Krahm, Alena Schweikert und Sascha Minning ihre wohlverdienten Sitzungsorden und lang anhaltenden Applaus.

„Einmal um die ganze Welt, ohne Frau mit ganz viel Geld“ - davon träumte Weltenbummler Frank Mallmann, jedoch nicht lange… Er berichtete dann von seinen Erlebnissen beim Grillen in Griechenland, von Problemen bei Sicherheitskontrollen am Flughafen und schließlich von seinen Erlebnissen in New York.

Nun wurde die Bühne frei für ein erneutes grün-weißes Tanz-Feuerwerk, souverän und temperamentvoll präsentiert vom neuen Solo-Mariechen des CV: Luca Niel. Es war eine Freude, Luca beim Tanzen zuzusehen, unter der Anleitung ihrer Vorgängerin Vanessa Kahl hatte sie einen spritzigen und abwechslungsreichen Tanz einstudiert, für den sie mit einer Rakete aus dem Saal belohnt wurde.

Auch wenn man es ihnen - dem Wundermittel Botox sowie den Fortschritten der plastischen Chirurgie sei Dank - nicht ansieht: eine aus allen Spielzimmern der Kindheit bekannte Puppe und ihr Freund erblickten im gleichen Jahr wie der CV das Licht der Welt.

In Originalverpackungen erschienen Rainer Becker und Kristina Eulenborn als Barbie und Ken auf der Bühne und begaben sich mit ihrem pinken Flitzer auf Spritztour, zuerst ins Bopparder Schwimmbad und dann ins Koblenzer Nachtleben. Nach verschiedenen Irrungen und Wirrungen im Spielzeugladen und im Kino stellten auch sie fest, dass es zu Hause in Bad Salzig am schönsten ist und sangen deshalb gemeinsam mit dem Publikum: „Es gibt kein Wort, das sagen könnt, was ich fühl, wenn ich an Salzig denk!“ Auch das inzwischen schon zum Running Gag avancierte „Bitte werfen Sie eine Münze ein“ durfte natürlich im Vortrag der beiden nicht fehlen, bevor sie sich verabschiedeten, um sich der nächsten Schönheitsbehandlung zu unterziehen.

Die Reise des CV-Narrenschiffs fand ihren großartigen Abschluss mit dem Auftritt des Showballetts. Das Publikum tauchte in die Atmosphäre des alte Ägypten ein. Begleitet von orientalischen Klängen wurde Königin Cleopatra auf einer Sänfte in den Saal getragen und verlangte auf der Bühne nach angemessener Unterhaltung. Doch weder Schlangenbeschwörer noch Jongleur konnten ihren hohen Ansprüchen genügen. Erst der phantastische Vortrag der Palasttänzerinnen und -tänzer zog dann sowohl die Königin als auch die Gäste im Saal in seinen Bann. Mit perfekt aufeinander abgestimmten Kostümen, abwechslungsreichen Tanzelementen und atemberaubenden Hebefiguren zauberte das Showballett eine faszinierende Atmosphäre und bildete den spektakulären Abschluss des Abends. Ein großes Dankeschön des Sitzungspräsidenten ging daher nicht nur an die Tänzerinnen und Tänzer, sondern selbstverständlich auch an die Trainerinnen Sandra Gick und Martina Simonis.

Im großen Finale standen dann alle Aktiven noch einmal vereint auf der Bühne und beendeten singend mit einem begeisterten Publikum den Abend. Ein ganz besonderer Dank galt am Ende aber nicht nur den Akteuren auf der Bühne, sondern auch allen helfenden Händen davor und dahinter sowie dem Musiker Kai Adorf, der in altbewährter Weise für Schunkelrunden, Tanz und Stimmung sorgte.

Beate Kragl

© 2002-2018 CV Grün-Weiß Bad Salzig e.V. 1959 | Realisierung durch fusoft